Dienstag, 7. Januar 2014

[Diskussion] Es wird keine Helden geben : Wie viel hält eine Freundschaft aus?




Ich bin sehr froh, dass ich das Buch "Es wird keine Helden geben" von Anna Seidl vorablesen durfte. Danke an den Oetinger Verlag und an Ka- Sa's Buchfinder für diese tolle Lektüre. Damit ihr einen kurzen Überblick über das Buch bekommt, stelle ich es euch ganz kurz vor, bevor ich mit der Diskussion beginne:



Inhalt

Was passiert, wenn nur ein kurzer Augenblick das ganze Leben von vielen Menschen verändert? Kurz nach dem Päusenklingeln hört Miriam einen Schuss und der blanke Horror beginnt. Ein Mitschüler läuft Amok und erschießt Mitschüler, Freunde und schließlich ihren Freund Tobi. Miriam hat den Amoklauf äußerlich überlebt, doch was passiert mit ihrem Innerem nach so einem schweren Schicksalsschlag? Kann man wirklich einfach weitermachen und heilt die Zeit tatsächlich alle Wunden? Kann Miriam überhaupt mit den Albträumen und dem Gedanken, dass sie vielleicht eine Mitschuld an dem Amoklauf trägt, weiterleben?

Vollständige Rezenion: <<klick>>



Da das Thema Amoklauf sicher viele abschreckt, möchte ich euch heute zeigen, dass in dem Buch sehr viel mehr steckt. Es geht nicht rein um den Amoklauf, eher um die Bewältigung von den Gefühlen und Auswirkungen. Es geht um Verlust, Einsamkeit, Schmerz und über Hoffnung. Das hat mir wirklich sehr gut gefallen an dem Buch.

An alle, die das Buch noch nicht kennen: ich werde euch keineswegs spoilern und versuche so wenig wie möglich auf den Inhalt des Buches einzugehen. Ich möchte mit euch allgemeine Fragen besprechen und bin auf eure Meinungen sehr gespannt. Es gibt keine falschen oder richtigen Antworten, denn nach so einem schweren Schicksalsschlag reagiert jeder anders.

Was hält eine Freundschaft aus?

Die Protagonistin gerät in der Schule in einen Amoklauf. Bekannte werden erschossen. Freunde verstecken sich. Ihr Freund überlebt den tödlichen Schuss des Amokläufers Matias nicht. Miriam versucht auf ihre eigene Art und Weise den Amoklauf zu bewältigen, doch jede ihrer Freundinnen reagiert anders darauf.

Was meint ihr: schweist so ein Attentat eher zusammen oder baut es Mauern auf?

Ich denke, dass jeder von euch erst einmal sagen wird: es schweist zusammen. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Da die Freundinnen gemeinsam etwas Schlimmes erlebt haben, können sie gemeinsam darüber reden, denn sie verstehen was der andere durchgemacht hat. Und was, wenn ich euch sage, gerade weil sie das zusammen durchstehen mussten, können sie nicht miteinander reden? Man geht sich aus dem Weg, weil man sonst immer wieder an das Attentat erinnert wird. Weil man sich immer wieder fragt: Warum? Bin ich vielleicht Schuld daran? Hätte ich etwas anders machen können, sodass Leben gerettet werden?

Was meint ihr: Wie würdet ihr reagieren und vor allem wie würde euer Freundeskreis reagieren? Macht euch keine Gedanken darüber, was andere denken würden wenn ihr sagt: Ich würde mich zurück ziehen. Ihr könnt auch Anonym antworten, wenn ihr euch sonst nicht traut. Ich bin sehr gespannt.

Gibt es einen Punkt, an dem es nicht weitergeht?

Stellen wir uns rein hypothetisch vor, dass ihr und eure Freundinnen nach dem Amoklauf den Verdacht habt, dass ihr eine Mitschuld an der Tat habt, weil ihr den Täter schlecht behandelt habt und ihn sogar gemobbt habt. Heutzutage geht es schnell, dass andere Mitschüler nicht akzeptiert werden, da sie keine Markenklamotten tragen, Brillenträger sind oder nicht das richtige Gewicht haben. Selbst kleine Beleidigungen wie "Was bist du denn für ein Streber" - die man selbst als nicht böse empfindet - können den anderen tief verletzen.

Kann eine Freundschaft so eine Schuld tragen?

Ich bin gewillt zu sagen: ja, eine wirklich tiefe innige Freundschaft kann so etwas überstehen. Aber ich denke auch, dass man so eine Freundin maximal ein oder zwei Mal im Leben findet. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass eine "normale" Freundschaft schnell daran zerbricht. Wie schnell verschließen die Menschen die Augen vor ihren Fehlern und schieben es gerne ab: "Mandy hat viel mehr gelästert als ich." oder "Eigentlich konnte ich ihn doch leiden. Die anderen haben den Hass auf ihn doch erst geschürt". Keiner will so etwas öffentlich zugeben. Doch ein kleiner Funke Wahrheit steckt dahinter.

Was meint ihr: Kann so eine gemeinsame Schuld eine Freundschaft zerstören?


Gibt es Ereignisse (unabhängig vom Amoklauf) die eine Freundschaft beenden können oder kann eine Freundschaft alles überstehen?


Ich bin wirklich gespannt auf eure Antworten, denn ich sehe das Thema selbst sehr zwispältig. Ich war nie in einer Extremsituation wie einem Amoklauf und möchte mir nicht anmaßen zu sagen, wie ich oder meine Freunde reagieren würden. Aber ich habe selbst mit einer Freundin, die wie eine Schwester war, eine schwere Zeit durchgemacht und weiß, dass es manchmal besser ist in Gutem getrennte Wege zu gehen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich nicht immer alle Risse kitten lassen, aber ich denke, dass jeder Mensch auf der Welt diese EINE Freundin hat, die zu jeder Zeit und nach jedem Ereignis zu einem steht und einem bei allem im Leben hilft.

Was meint ihr, seh ich das zu naiv? Habt ihr auch so eine Freundin oder gibt es so Jemanden gar nicht? Habt ihr auch schon Mal so etwas erlebt, dass eine Freundschaft an einem schlimmen Ereignis zerbricht?


Weitere Beiträge zum Thema Freundschaft findet ihr hier:

Kommentare:

  1. Eine Freundschaft sollte prinzipiell erstmal alles überstehen können.... Allerdings befinden sich die Freunde im Buch in einer Ausnahmesituation mit Schockzustand. So etwas verarbeitet jeder anders und ich muss gestehen, ich habe keine Ahnung, wie ich damit umgehen würde. Ich habe aber auch schon selber erlebt, dass man in Extremsituationen manchmal abweisend, irrational und unverständlich handelt.
    Außerdem spielen bei Jugendlichen auch die Eltern eine Rolle. Tanjas Eltern wollten vermutlich dafür sorgen, dass Tanja alles vergisst. Ob das eine gute Strategie ist/war, kann ich nicht beurteilen. Ich gehe aber davon aus, dass sie sich nicht gegen diesen Elternwillen durchsetzen konnte

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    1. Tanjas Eltern konnte ich anfangs auch nicht verstehen. Vielleicht ist eine Mutter hier, die uns dabei helfen kann? Aber du hast recht, in Ausnahmesituationen reagiert jeder anders. Ich würde mich vermutlich auch in ein absolutes Schneckenhaus zurückziehen.

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    2. Ich bin selber Mutter (kenne allerdings das Buch noch nicht,da ich es nicht gelesen habe) ,falls mein Sohn jemals in eine solche Situation kommen sollte,würde ich versuchen das geschehende mit ihm aufzuarbeiten,auch mit Therapheutischer Hilfe,falls notwendig.Es bringt nichts es totzuschweigen,man muss darüber reden,wer weiß was es für Folgen in der Zukunft haben kann,wenn man versucht es zu verdrängen !? Lg Katharina K.

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    3. Gut zu hören, dass es noch Leute gibt, die so denken wie ich ;)
      Ich denke, gerade für Angehörige der Opfer ist es nicht leicht - vor allem wenn sich die Teenager vor ihren Eltern nicht öffnen wollen. Aber ich finde auch, dass da Alkohol wenig hilft. Aber gut, dass du therapeutische Hilfe ansprichst. Denn die hilft ihr tatsächlich dann

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  2. Das denke ich auch,so ein Trauma ist wahrscheinlich selbst mit starkem Zusammenhalt der Familie nicht aufzuarbeiten.
    Freunde können allerdings meiner Meinung nach auch helfen,da sie das geschehende zusammen erlebt haben und vielleicht offener miteinander über die Ängste und Sorgen sprechen können und sich lieber denen anvertrauen,als Eltern und Fremden Personen.
    Katharina K.

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    1. Ja ich denke auch, Freunde können viel abhalten und helfen, abermanchmal gibt es einen Punkt an dem man sich nur Selbst helfen kann. Da kann man nur hoffen, dass dann Freunde da sind, die einen auffangen. Ich wünsche jedem solche Freunde!!

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