Freitag, 8. August 2014

[Rezension] Warte auf mich

 

Warte auf mich

 

Autor: Philipp Andersen und Miriam Bach
Preis: 16,99 € (Hardcover) und 9,99€ (Taschenbuch)
eBook: 12,99 €
Seitenzahl: 320
Verlag: Piper
Mehr Infos: hier

Leseprobe: <<klick>>








Inhalt
Eher durch Zufall begegnen sich der erfolgreiche Autor Philipp Andersen und die junge Schriftstellerin Miriam Bach. Sie verbringen eine verhängnisvolle Nacht miteinander, in der Nichts passiert und sich alles verändert. Philipp ist glücklich verheiratet, dennoch tauschen die beiden ihre Adressen, senden sich ihre Romane zu und lernen sich Stück für Stück mehr kennen - und lieben. Auch wenn Miriam nicht die Geliebte sein will, kann sie einfach nicht von Philipp lassen. Die beiden riskieren Kopf und Kragen - doch wo führt diese Liebesbeziehung hin?

Wie hat's mir gefallen

Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich meine Gedanken und Gefühle zu diesem Roman in Worte fassen werde oder nicht. Direkt nach dem lesen war ich unzufrieden und habe viel kritisiert. Erst nach und nach kam ich zur Ruhe, habe alles überdacht und mich in Mirchen hineinversetzt. So richtigen hineinversetzt. Und ich habe alles gespürt und gemerkt, dass die beiden Autoren alles richtig gemacht haben. Das sie mich tief berührt haben. Das dieses Buch einfach anders ist.

Alles beginnt mit einer eher ungewöhnlichen Nacht. Philipp ist so gar nicht der Mann, den Miriam sofort attraktiv finden würde. Schließlich ist er etliche Jahre älter und seine Blütejahre sind schon längst vorbei. Dennoch hat der Autor etwas, dass sie anziehend findet. Die beiden beginnen eine verhängnisvolle Affäre, die sich über moderne Kommunikation bis hin zu heimlichen Treffen trägt.

Die Charaktere des Buches sind gegensätzlich und doch könnten sie nicht besser zusammen passen. Doch von Anfang an schlug mein Herz eher vor Miriam. Nicht, weil sie eine Frau ist, sondern weil ich so viel von ihr in mir sehr. Ich hatte gleich zu Beginn einen besonderen Draht zu der jungen Autorin und ich konnte die Anziehung zu Philipp sehr gut nachvollziehen. Dennoch gab es Momente in dem Buch, da hätte ich Mirchen schütteln können. Ich dachte mir: "Mirchen, wieso tust du dir das an? Wieso hängst du ihm so hinterher?". Das waren Momente, in denen ich mich über die Protagonistin geärgert habe, das Buch weglegen musste und nachdenken musste. Ich habe mich selten so mit den Protagonisten und dem 'Warum?' in einem Buch beschäftigt wie hier. Immer wenn ich tief in mich ging, an meine ähnliche Situation damals dachte, konnte ich Mirchen wieder verstehen und wusste: keine andere Reaktion wäre angebracht gewesen. Sie lebt ihr leben, liebt und versucht dennoch stark zu sein.
Zu Philipp fand ich etwas schwieriger Zugang. Ob es an seinem Charakter, seinem Geschlecht oder seinem Alter lag, mag ich gar nicht zu sagen. Ich habe lange Zeit nicht nachvollziehen können, dass er seine Frau so lange betrog und sich trotzdem bewusst für die Beziehung mit seiner Frau entschied. Wieso diese Zwischenphase? Aus meiner Sicht machte er es sich am bequemsten: Zuhause das gemachte Nest mit der bekannten und liebenden Frau und unterwegs die heiße Affäre. Was war ich sauer auf ihn. Doch je weiter ich las, desto besser verstand ich ihn - auch wenn ich nicht immer konform mit alle seinen Entscheidungen war. Aber gerade das faszinierte mich beim lesen: dies ist eine Geschichte, die das Leben schreibt, mit all seinen Tücken und Schwierigkeiten. Nichts geht hier leicht von der Hand, keine Entscheidung wird leichtfertig getroffen. Man merkt auch: man hat keinen Hollywoodblockbuster vor sich, in dem ein Happy Ending leicht bewerkstelligt wird, sondern das wahre und echte Leben mit echten Gefühlen und Problemen.

Der Schreibstil ist ganz bezaubernd. Man merkt, dass hier zwei Autoren am Werk waren. Die Kapitel werden abwechselnd aus der männlichen und der weiblichen Sicht geschrieben, was mir immer sehr gut gefällt. Dadurch bekommt der Leser nicht nur einen Einblick in beide Leben, sondern man lernt beide Sichten zu verstehen und man lernt: nicht immer ist alles schwarz und weiß.

Dieser Roman hat mich noch lange Zeit beschäftigt und ich glaube erst lange Zeit nach dem Lesen konnte ich so einiges verstehen. Ich möchte allen den Roman empfehlen, die einerseits Romane mit echten Gefühlen bevorzugen, aber auch andererseits ein Buch mögen, welches noch lange nachhallt.
Außerdem bleibt immer dieser kleine Nachgeschmack, dass die Geschichte doch nicht ganz erfunden ist. Autoren- und Charakternamen stimmen über ein. Auch wenn hier sicher viel Fiktion am Werk ist, glaube ich tief im Herzen, dass diese intensiven Gefühle nicht erfunden sind. Für mich lebt diese Geschichte dafür zu sehr. Irgendwem ist irgendwann einmal sicher diese Geschichte passiert und diesem Jemand möchte ich danken, denn ich habe viel Trost in der Handlung gefunden.

P.S. An alle Leser des Buches: Falls ihr jemanden zum diskutieren über einzelne Szenen sucht, wendet euch doch direkt an mich. Ich kann sehr sehr gut verstehen, wenn man nach diesem Schmöker Redebedarf hat.

Cover/Buchgestaltung

Ehrlich gesagt wirkt das Cover eher schlicht, still und zurückhaltend. Ich kam deswegen eher zufällig zu dem Buch. Lasst euch nicht abschrecken: das Buch ist definitiv anders und auf seine eigene Weise besonders.

Gut zu wissen
Diesen abgeschlossenen Roman sollte man ersteinmal sacken lassen, bevor man ihn zu streng bewertet. Während des Buches habe ich den Protagonisten nicht verstanden, verurteilt - ja sogar gehasst ab und an. Jetzt, nach dem Lesen, fühle ich mich zurückversetzt in eine ähnliche (aber nicht gleiche) Situation und kann das Handeln nachvollziehen. Das Buch hallt bei mir sehr nach und ich versuche alle Schritte des Protagonisten zu überdenken und frage mich: Was hätte ich gemacht?

Für Fans von

* "Gut gegen Nordwind" von Daniel Glattauer
* "Deine Seele in mir" von Susanna Ernst

Fazit

Die wechselnden Perspektiven des Romans geben dem Leser einen guten Einblick in zwei verschiedene Sichten einer verhängnisvollen Affäre. Ich habe Zeit gebraucht, um mich einzufinden, doch diese absolut realistischen und tiefen Emotionen haben mich an das Buch gefesselt und ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen bis ich wusste, wie es endet. Doch ist "Ende" der richtige Begriff?

Bewertung 4,5/5

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