Freitag, 14. November 2014

[Rezension] Marmorkuss von Jennifer Benkau


Marmorkuss


 

Autor: Jennifer Benkau
Preis: 18,95 € (Hardcover)
ebook: 14,99€ 
Seitenzahl: 432
Verlag: Script5
Mehr Infos: hier 
Leseprobe: <<klick>>







Inhalt
Jarno und Klara leben völlig unterschiedlich: Klara möchte Lehrerin werden, Jarno versucht sich als Lebenskünstler über Wasser zu halten. Auch wenn die beiden scheinbar keine Gemeinsamkeiten haben und nicht einmal in der selben Zeit leben, so werden sie doch magisch voneinander angezogen.
Jennifer Benkau bringt das bekannte Märchen von Dornröschen in die Neuzeit, schmückt es aus, macht es modern und erzählt es dabei völlig neu.

Wie hat's mir gefallen
Jarno
, der auf dem Cover als Underdog beschrieben wird, ist ein Versager, wie er im Buche steht. Er ist unpünktlich, schusselig, kann keine Arbeit behalten und trifft immer, aber auch immer die falschen Entscheidungen. Um bei einem Fotowettbewerb endlich den Durchbruch zu schaffen, macht er in einer verlassenen Villa Fotos von der schönen Statue.
Klara hält ihre Liebe zu Johan geheim, um weiter ihre Ausbildung als Lehrerin machen zu können. Doch dann taucht eine Dame in Grün auf, die alles verändert. Diese dunkle Bedrohung scheint magischer, als es Klara anfangs glauben mag. Die Begegnung mit der unheimlichen Hexe wird alles für immer auf den Kopf stellen.

Viel muss man sicher nicht über den Inhalt sagen. Mädchen wird verzaubert. Prinz rettet Mädchen. Nur leider gibt es in diesem Buch keinen Prinz. Jarno hat so viele Möglichkeiten um zu beweisen, dass er kein Versager ist und immer wieder reitet er sich in sein Schlamassel selbst hinein. Anders als bei anderen Underdogs ist nicht der Zufall sein Feind, sondern er selbst. Er schaut zu oft weg, schafft es nicht seiner Arbeit regelmäßig und pünktlich nachzugehen, schafft es nicht, seine Laster aufzugeben und bekommt sein Leben einfach nicht in den Griff - er ist eben einfach kein Prinz. Leider verändert auch Klara ihn kaum. Ich hätte erwartet, dass er aufblüht und mutig wird, da er seine Liebe verteidigen will. Tatsächlich belügt er Klara, besorgt ihr illegal einen Ausweis und schafft es nicht, sie zu beschützen. Da war ich schon etwas enttäuscht. Gibt es keine Alltagshelden mehr? Wo sind die Prinzen des 21.Jahrhunderts geblieben? Oder hat Klara mit Johan ihre wahre Liebe verloren?

Das Thema Liebe kam mir ebenso zu kurz. Man hat das Gefühl, Klara entscheidet sich nur für Jarno, weil er da ist, weil es eben bei Dornröschen so ist. Es gab nur flüchtige Momente zwischen den beiden, die mir zu starr und emotionslos waren.
Das Cover hat mich hier eindeutig in die Irre geführt, denn es wirkt so zart und lieblich, mädchenhaft und romantisch, dass ich einfach mit einer Liebesgeschichte gerechnet habe. Somit war ich dann doch enttäuscht, dass es eher um die illegalen Machenschaften von Jarno ging, als um die Rettung von Klara.

Der Schreibstil ist hingegen sehr angenehm, da beide Seiten zu Wort kommen. Klara ist sehr zurückhaltend und spricht und denkt sehr altmodisch, was mir sehr gefiel. Jarno hingegen  ist eher grob und weniger tiefgängig. Seine Abschnitte gefielen mir nicht so gut.
Was ganz besonders ist, sind die Erzählerübergänge, denn Jarno und Klara beenden unbewusst die Sätze des anderen. Das ist wirklich sehr magisch und man hat das Gefühl, die beiden sind schon lange bevor sie sich kennen miteinander verbunden. Leider hält diese Verbundenheit nach dem Kennenlernen nicht mehr an.

Ich liebe Märchen und ich steh auch sehr auf moderne Adaptionen von Märchen, aber in diese kam ich einfach nicht rein. Mir war es nicht magisch genug. Auch wenn ich die grüne Dame sehr gut gelungen fand, denn sie ist böse, gebieterisch und erhaben zu gleich, konnte mich Jarno bis zum Schluss nicht überzeugen. Ich hatte auf eine Wendung gewartet: Junge um die Ecke wird zum Prinzen für das Mädchen, das er liebt. Aber leider wuchs Jarno in meinen Augen kaum und es war für mich unklar, ob Klara ihn mag, weil er so ist wie er ist oder weil er eben ihre einzige Bezugsquelle und Kontaktperson war. Schade, hier wurde sehr viel Potential verschenkt, denn die Kapitel scheinen sich manchmal wie Kaugummi zu ziehen, da nicht wirklich etwas passiert.

Cover/Buchgestaltung

So ein romantisches schönes Cover findet man selten. Es ist sehr mädchen- und märchenhaft und gefällt mir unglaublich gut.

Gut zu wissen

Endlich mal wieder keine Trilogie, Dilogie oder andere Art einer Fortsetzung. Die Handlung ist beendet, was ich sehr erfrischend fand.

Für Fans von

* "Vor uns die Nacht" von Bettina Belitz
* "Das Mädchen mit den gläsernen Füßen" von Ali Shaw

Fazit
"Marmorkuss" ähnelt nur in Grundzügen "Dornröschen", denn es gibt keinen Prinzen, was mir persönlich wenig gefiel. Allerdings überzeugt Jennifer Benkau mit einem außergewöhnlichen Schreibstil, der einem bei den vielen weniger spannenden Szenen über die Runden hilft.

Wer Märchen abgöttisch liebt, sollte lieber zur Originalfassung greifen und sich daran erfreuen.

Bewertung 3/5




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