Sonntag, 6. Dezember 2015

[Autoreninterview] Kai Meyer

Wie ihr wisst, war ich vor kurzem auf einer eher kleineren Lesung von Kai Meyer. Ich liebe es, wenn man den Autor bei solch kleinen Lesungen näher kennenlernen kann und wenn man am Ende nicht so "abgefertigt" wird.
 
Jeder kriegt ein Autogramm und die Chance den Autor mit Fragen zu bombardieren und Blogger wie ich, kriegen sogar die Chance zu einem Interview:
 
 
lebens[leseliebe]lust: Demnächst erscheint mit "Blutbuch" der dritte Teil der "Seiten der Welt" Reihe. Ist damit die Reihe beendet oder werden wir noch mehr aus Libropolis hören?
 
Kai Meyer:
Tatsächlich wird "Blutbuch" der letzte Teil der Reihe sein und die Trilogie ist somit abgeschlossen. Derzeit arbeite ich an einem anderen Projekt, über das ich leider noch nicht sprechen darf. So viel dazu: es wird kommenden Herbst erscheinen.
Allerdings kann ich mir schon vorstellen, in irgendeiner Form mit dem Universum aus "Seiten der Welt" weiterzuschreiben. Sei es eine Vorgeschichte oder eine Fortsetzung zu bestimmten Strängen, die noch nicht vollends beleuchtet wurden.
 
lebens[leseliebe]lust: Wie kamen Sie auf die Idee zu "Seiten der Welt"?
   
Kai Meyer: Schon lange spielte ich mit Gedanken ein Buch über Bücher zu verfassen. Allerdings wollte ich nicht diesen Typischen Thriller über ein verschollenes Manuskript schreiben, ich wollte etwas eigenes. Ich fragte mich, wenn Menschen geheime Seiten haben, haben dann nicht erst recht Bücher geheime Seiten? Wo sind diese versteckt und wer kann sie lesen? So entstand nach und nach die Idee zu den Bibliomanten. Ich sammelte immer mehr Ideen und schon waren Dinge wie das Seelenbuch und Libropolis geboren. Eigentlich wollte ich nie ein eigenes Universum in meinen Büchern erschaffen. Obwohl in meinen Romanen oft etwas anders ist als in der Realität, wie z.B. bei "Phantasmen", so spielen sie immer in unserer Welt. Doch für "Seiten der Welt" schuf ich fast ungewollt ein eigenes Universum mit seinen eigenen Feinheiten.
Und dann war klar: mein erschaffenes Universum benötigt eigene Regeln, sonst funktioniert das Ganze nicht. Obwohl man diese Regeln braucht und in dem einen Moment als richtig empfindet, verflucht man sie in dem anderen Moment wieder und würde sie am liebsten abschaffen. Sie machen einiges doch sehr kompliziert.
 
lebens[leseliebe]lust: Planen Sie ihre Bücher immer von Anfang bis Ende oder verselbstständigt sich ein Charakter auch mal?
 


     
Kai Meyer: Zu allererst verfasse ich ein recht umfangreiches Exposé für alle Szenen. Das hat dann meist schon 40-50 Seiten und ist sehr detailliert und durchgeplant. Stück für Stück wird es immer genauer und detaillierter. Aber und an kann es dennoch mal passieren, dass ein Charakter ein Eigenleben entwickelt und sich kleine Dinge, aber nicht die grundlegenden Handlungsstränge, ändern.
 
lebens[leseliebe]lust: Wird es eine (weitere) Verfilmung Ihrer Bücher geben?
   
Kai Meyer: Bisher wurde mein historischer Roman "Das Gelübde" sehr schön verfilmt. Natürlich verkauft man als Autor sehr oft Filmrechte, aber ob es dann tatsächlich zur Umsetzung kommt, steht in den Sternen. Die Filmbranche ist sehr schnelllebig. Man hört heute die Verfilmung beginnt nächstes Jahr und schon morgen sieht es wieder anders aus. Somit kann ich dazu leider nichts Genaues sagen.
 






    

lebens[leseliebe]lust: Welches Ihrer Bücher mögen Sie besonders?
 
Kai Meyer: Natürlich mag ich all meine Bücher gleich gerne, aber zu gewissen Zeiten mag ich einige Bücher mehr als andere. Welche Bücher ich aber immer gerne nennen, sind "Das zweite Gesicht", die "Merle Trilogie", die "Alchemistin" Reihe und "Phantasmen".
 
lebens[leseliebe]lust: Wie sucht man passende Passagen für eine Lesung ohne zu spoilern?
 
Kai Meyer: Tatsächlich ist dies nicht einfach. Ich suche mir immer Passagen aus, bei denen ich vorher nicht eine halbe Stunde erklären muss, was passiert. Ein bisschen spielt auch das Bauchgefühl mit herein, aber meist ändere ich dann nicht viel, denn sie ausgewählten Szenen kommen meist gut an. Aus "Seiten der Welt" zwei präsentiere ich keine Szenen mit Furia, sondern mit meinen Lieblingsnebenfiguren Patience und Pip. Das macht neugierig, verrät aber nicht zu viel von der Haupthandlung.
 


lebens[leseliebe]lust: Welches Buch wäre wohl ihr Seelenbuch?
 
Kai Meyer:
Das kann ich gar nicht so sagen, immerhin sucht man sich das Seelenbuch nicht selbst aus. Mit 14 war mein Lieblingsbuch "Der Herr der Ringe" und nach dem Lesen des Buches war mir klar: ich will selbst Geschichten erzählen, in welcher Form auch immer. Allerdings habe ich seitdem den Bestseller von Tollkien nicht mehr angerührt. Tatsächlich frage ich mich wie die Leser dauernd die Zeit finden immer und immer wieder dasselbe Buch zu lesen. Ich kaufe Bücher, beginne sie zu lesen und lese sie oftmals nicht zu Ende. Ein Buch hat mich allerdings sehr geprägt und das ist Umberto Ecos "Das Foucaultsche Pendel", denn es ist ein merkwürdiges Buch. Man kann es gar nicht recht in ein Genre einordnen. Ich mag Bücher, die nicht wissen, welches Genre sie sind.
 
Wer Kai Meyer einmal selbst treffen möchte, muss nur zur Leipziger Buchmesse gehen, denn dort ist er schon die letzten 15 Jahre vertreten und er wird auch im kommenden Jahr dort zu Gast sein.
    

 


lebens[leseliebe]lust  bedankt sich für das schöne Interview!

Kommentare:

  1. Vielen Dank für das tolle Interview. Ich habe bisher noch gar nichts von Kai Mayer gelesen, liebäugel aber mit den Seiten der Welt. Er scheint sehr symphatisch zu sein :)

    liebe Nikolausgrüße
    Sandra von Sandras kreativer Lesezeit

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    1. Seiten der Welt und Phantasmen fand ich ganz bezaubernd ;)

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