Dienstag, 3. April 2018

[Gastrezension] Goodbye, Perfect

Goodbye, Perfect

Autor: Sara Barnard
Taschenbuch: 7,99 €
eBook: 6,19 €
Seitenzahl: 320
VerlagPanmacmillan
Weitere InfosHier
       
Inhalt
Eden und Bonnie sind beste Freundinnen. Jene Art Freundinnen, die sich blind vertrauen und alles füreinander tun. Eden ist wild und sorglos, Bonnie hingegen die perfekte, strebsame Schülerin - zwei Seiten einer Medaille, die sich perfekt ergänzen. Eden kann sich immer darauf verlassen, dass Bonnies ruhiger Charakter sie wieder auf den Boden bringt. Bis eines Tages die Polizei vor Edens Tür steht und ihre Welt scheinbar zusammenbricht. Denn Bonnie ist mit ihrem geheimen Freund durchgebrannt.
                                         Wie hat's mir gefallen
Ich (Anm.: gemeint ist Gastrezensentin Kaddy) hatte das Glück mit der wundervollen, talentierten Sara Barnard in London zusammenzuarbeiten und sie persönlich zu kennen, daher bin ich vielleicht etwas voreingenommen. Doch Sara schafft es immer wieder mich mit ihren Geschichten zu überraschen und emotional abzuholen. Wenngleich ihre Werke dem Jugendbuch-Genre zugeordnet werden, sie sind nicht kindlich und stecken voller Drama (im positiven Sinn).

Aber was mich immer wieder zu ihrem Fan macht, sind die einzigartigen Geschichten, die so noch nie dagewesen waren. Auch mit "Goodbye, Perfect" hat sie dies wieder geschafft. Okay, ihr werdet jetzt erst einmal denken, es ist eine Runaway-Story - davon hatten wir doch Unzählige. Doch Sara schafft es einfach wieder, diese auf eine Art und Weise zu erzählen, wie wir sie eben noch nicht kennen.

So steht im Mittelpunkt der Geschichte nicht etwa die flüchtige Bonnie - der Erzähler ist Eden. Eden entführt uns in ihre Gefühls- und Gedankenwelt. Wir erfahren, wie sich eigentlich jene Personen fühlen, die zurückgelassen werden, wenn jemand von zu Hause wegläuft. Dabei konzentriert sich das Geschehen nicht allein auf Eden. Sara nimmt sich die Zeit auch andere Charaktere ins Rampenlicht zu stellen, wie Bonnies Familie oder Edens Adoptivschwester.

Gleich zu Beginn ist man von der Geschichte gefesselt. Drei einzelne Worte präsentieren uns einen vorgezogenen Cliffhanger - One Week Before! Sofort wollen wir wissen, was in dieser Woche passiert ist bzw. passieren wird. Doch Pustekuchen - Sara "quält" uns und befriedigt unsere Neugier nicht sofort, indem sie den Charakteren erlaubt, sich Zeit zu lassen, sich quasi voreinander zu drücken. Eden drückt sich davor sich der Polizei zustellen, die Polizei drückt sich davor, alle Details preiszugeben. Und der Leser schreit innerlich - ich will endlich wissen, was hier vor sich geht!

Dann ist es passiert, die Katze ist aus dem Sack und die Hölle bricht los - zumindest die mediale Hölle. Die Medien stürzen sich auf Bonnies Story - belagern Bonnies Familie, belagern Eden, belagern die Schule. Und wie verhalten sich die Mitschüler? Sie verlangen Gossip von Eden und verbreiten ihre eigenen Theorien und Kommentare auf Twitter & Co. - inklusive eigenem Hashtag.

Hier merkt man, wie wichtig es Sara ist nahe an der Realität zu bleiben. Genau davon bin ich immer beeindruckt - trotz der Besonderheit ihrer Geschichten, trotz der jugendlichen Charaktere, wirkt das Geschriebene nie gestellt, es ist einfach natürlich. Dabei bedient sie sich gekonnt den Kommunikationsmitteln verschiedener Medien. Zeitungsartikel, Twitter-Feeds oder What'sApp-Nachrichten sind genauso Bestandteil der Geschichte, wie Edens innere Monologe. Und wieso auch nicht - denn genauso würde es ja auch ablaufen.

Auch die Charaktere und Saras Schreibstil fühlen sich sehr natürlich an, ohne dabei plump oder zu einfach zu wirken. Das Buch liest sich einfach, die Seiten fliegen dahin. Insbesondere im Englischen Original wirkt es sehr erfrischend auf eine nicht zu gekünstelte Sprache zu treffen, sondern eine moderne, Alltagsnahe Sprache, die viel dazu beiträgt, die Charaktere lebendig zu machen.

Ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen, möchte ich ein wirklich cleveres Stilmittel gesondert hervorheben. An einigen Stellen wird Edens "normaler" Gedankenfluss von vergangenen Dialogen zwischen ihr und Bonnie unterbrochen. Diese Sequenzen betrachten Situationen, die sich vor dem Gesichtspunkt von Bonnies Flucht, nun komplett anders interpretieren lassen. Der Lesefluss wird hierdurch nicht nur aufgelockert, auch schafft dieses Element wieder Realitätsnähe. Denn würde man nicht genauso zu Hause sitzen und alte Gespräche erneut Revue passieren lassen - nach Zeichen suchen?!

Ich bin auch schon sehr gespannt, wie der Fischer Verlag, den Buchtitel in der deutschen Sprache umsetzen wird. Denn "Goodbye, Perfect" passt auf so vielen Ebene zur Geschichte - einen besseren Titel kann man sich nicht vorstellen. It's goodbye, perfect Bonnie - goodbye, perfect friendship - goodbye, perfect family - goodbye, perfect romance. But hello, perfect story title ;-)

Rezension by Kaddy von Motionpicturemaniacs
     
Gut zu wissen
Dies ist bereits Sara's drittes Buch. Beim Fischer Verlag könnt ihr noch folgende Werke von ihr finden:
Wunder, die wir teilen (Beautiful Broken Things)
Vielleicht passiert ein Wunder (A Quiet Kind of Thunder)
  
Fazit
"Goodbye, Perfect" ist ein weiterer Pageturner von Sara Barnard. Eine besondere Geschichte auf besondere Weise erzählt mit toll gezeichneten Charakteren. Die Spannung wird ab der ersten Seite aufrecht erhalten und innere Konflikte toll aufbereitet. Einen halben Punkt Abzug gibt es, weil ich gern noch mehr von Bonnies Beweggründen verstanden hätte (so bin ich einfach gestrickt, will jede Figur verstehen) - aber es sollte ja nun einmal um die Zurückgelassenen gehen.
  
Bewertung 4,5/5

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